Rudolf Jäger

Von Karl H. Hoffmann

Rudolf Jäger gehört nicht zu den Architekten, deren Werk immer wieder diskutiert und dokumentiert wird. Es gibt keine größeren Publikationen über sein Schaffen. Gelegentlich wird eines seiner Gebäude in der Fachpublizistik vorgestellt. Am häufigsten genannt wird sein Name im Zusammenhang mit dem Bau der Grindelhochhäuser. Ausgerechnet - das Projekt war äußerst untypisch für Rudolf Jäger. Sein damaliges Büro Hopp und Jäger hatte noch nie Hochhäuser entworfen und stand der modernen Architektur fern. Und doch kann man sagen, dass Rudolf Jäger hier am richtigen Platz war. Moralisch und politisch gesehen.
Das "Hamburg Project" - wie es anfangs hieß - war ursprünglich ein Bauvorhaben der britischen Besatzung in Hamburg. Hamburg sollte das Zentrum der britischen Besatzungszone werden. Eine damals heiß diskutierte Frage war, welche Architekten würdig waren, an einem solchen Projekt mitzuwirken. Schließlich ging es ja um den Aufbau einer neuen, demokratischen Gesellschaft und die innere Überwindung der faschistischen Diktatur. Da wäre es unglaubwürdig gewesen, Männer zu verpflichten, die der NSDAP oder dem untergegangenen Regime nahe gestanden hatten. Rudolf Jäger stand in dieser Hinsicht ganz unbeschadet da und war so gesehen ein idealer Kandidat.

Rudolf Jäger war ein "fundierter Christ". So schreibt es Carl Malsch, der von 1965 bis 1981 Pastor an der Hauptkirche St. Petri in Hamburg war und wie Rudolf Jäger zu den bekennenden Christen gehörte. Mit 17 Jahren tritt Jäger in den Bibelkreis Altona ein, 10 Jahre später wird er dessen Leiter. Als er 21jährig das Studium der Architektur beginnt, wird er gleichzeitig Mitglied in der Deutschen christlichen Studentenvereinigung. Rudolf Jäger pflegt eifrig Kontakte zu anderen Christen, so lernt er auch seinen späteren Partner Bernhard Hopp kennen. Nach der "Machtergreifung" der Faschisten gibt Jäger zusammen mit Hans Assmussen noch bis 1934 "Die Gemeindekirche" heraus, beteiligt sich am "Altonaer Bekenntnis" und fährt im Mai 1934 als Vertreter Altonas zur Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen. Diese Versammlung stand im offenen Gegensatz zu den deutschchristlich bestimmten Kirchenorganen des damaligen Deutschlands.

Frühwerk: Kirche Born auf dem Darß

Quelle: Bestand Rheinländer 62/1 in 9. Fotograf: Otto Rheinländer

Rudolf Jäger wurde kein Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Ableger. Nachdem er 1920 schon einmal Mitglied der "Technischen Nothilfe" (TN) geworden war, trat er ihr 1933 wieder bei. 1939 erreichte er eine Führungsposition in dieser Organisation, die ihm die Einstufung "U.K." einbrachte. Damit war er unabkömmlich und brauchte nicht an die Kriegsfront. Die Technische Nothilfe war bis 1936 eine formal unabhängige Freiwilligenorganisation. Danach wurde sie der Ordnungspolizei zugeordnet, die wiederum dem Hauptamt der SS unterstellt war. Auf diese Weise wurde die Technische Nothilfe einige Male zum Werkzeug des Regimes, so beteiligte sich eine kleine Einheit der TN an der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Rudolf Jäger blieben solche Erfahrungen erspart, seine Einheit war vor allem mit der Trümmerbeseitigung im zerstörten Hamburg beschäftigt.

1934 erhalten Hopp und Jäger ihren ersten gemeinsamen Bauauftrag. Es geht um den Bau der Fischerkirche in Born auf dem Darß (Mecklenburg-Vorpommern). Im April 1935 wird die Kirche eingeweiht, die heute einen gewissen Kultstatus genießt. Das Büro Hopp und Jäger bleibt dem Kirchenbau treu. Nach 1945 bauen sie die Hamburger Hauptkirchen St. Katharinen und St. Jacobi wieder auf, ebenso andere Kirchen wie etwa die Christianskirche in Hamburg-Ottensen. Und sie errichten an vielen Orten neue Kirchen, die nie schockierend modern wirken, sondern eher ortsgebunden-traditionell bis moderat zeitgemäß.

Emmerich Jäger ordnet die Arbeit seines Vaters so ein: „Die Architekten Hopp, Jäger, Gries und Dr. Brunzema zählten zu ihrer Zeit nicht zur „Avantgarde" der Hamburger Architektenschaft. Ihren künstlerischen Ursprung hat das Büro bei seiner Gründung 1935 im „Heimatstil" und der „Stuttgarter-Schule". Durch ihre christliche und kirchliche Bindung haben sie sich auf den Kirchenbau und auf soziale Einrichtungen konzentriert. Das Denkmalschutzamt hat sie als „traditionell-konservativ "charakterisiert. Erst in den 1950er Jahren haben sie „moderne" Zeitströmungen aufgenommen.“

In die Liste der Hamburger Denkmäler wurden etwa zwei Dutzend Gebäude aufgenommen, an deren Entwurf Rudolf Jäger beteiligt war. Darunter befinden sich etliche neu erbaute Gotteshäuser wie z. B. die St. Marienkirche in Fuhlsbüttel, die Auferstehungskirche an der Flurstraße in Lurup, die Thomas-Kirche in Bramfeld oder die Christuskirche am Halstenbeker Weg in Eidelstedt. Ebenfalls auf der Liste stehen das Gebäude des Studierendenwerks an der Grindelallee 9 und - so schließt sich der Kreis - die Grindelhochhäuser.

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Quellen

Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer